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Als Koch nach Australien

Community - Artikel

Großer Sprung ins Land der Kängurus

Dass ein Koch nach seiner Ausbildung viele Küchen kennenlernt und ziemlich flexibel sein muss, ist nichts Ungewöhnliches. Dass ein Koch dazu aber nach Australien geht, ist durchaus etwas Besonderes. Ein junger Mann aus Bonfeld wagt das Abenteuer ein Jahr lang: Maximilian Kuch  fliegt am Sonntag, um seine nächste Arbeitsstelle anzutreten - in Sydney.

http://www.stuyvesantshouse.com/graph/stuyve3C.jpg„Ich war noch nie da, das ist für mich Neuland“, sagt Kuch, der im Alter von 15 Jahren im Leingartener Löwen am Herd von Uwe Straub sein Handwerk erlernt hat. Straub war es auch, der seinem Schützling den Trip nach Australien ermöglicht hat. Denn der Gastronom kennt zwei Männer, die in den Sechzigern aus Leingarten ausgewandert sind und in Sydney das Restaurant Stuyvesant's House eröffnet haben: Rudi und Max Dietz. Als Straub erfuhr, dass sie jemanden suchen, „hat er gleich an mich gedacht“, freut sich Maximilian Kuch.

Der Kontakt mit dem Anfang des Jahres in Deutschland weilenden Ex-Leingartener Dietz war auch gleich herzlich und typisch australisch-locker: „Hockst dich in den Flieger, und kommst einfach“, hatte Dietz den verblüfften Bonfelder eingeladen. Bis es aber so weit war, hatte Maximilan Kuch eine Menge Arbeit zu erledigen. Das Visum musste beantragt - und die Freundin überzeugt werden. Die vorübergehende Trennung von der Partnerin ist zwar eine bittere Pille für den Koch aus Bonfeld, „aber so eine Chance bekomme ich so schnell nicht wieder“.

Die Laufbahn des 19-Jährigen hat ihm allerdings schon schöne Chancen geboten. Nach seiner Lehrzeit im Löwen arbeitete er eine Zeitlang in Obervintl in der Nähe von Bozen im Tilia, dem Restaurant des Sternekochs Chris Oberhammer. „Die kochen ganz anders“, hat Kuch beobachtet. Beeindruckt ist er noch immer von den vielen Kupferpfannen und Kasserollen über dem Herd. „Mit dem Auge habe ich einiges gelernt.“

Die nächste Station war dann wieder ein bekanntes Gasthaus in der Heimat: die Sonne von Eugen Hemrich in Jagstfeld. Als Jungkoch, im Fachjargon Commis genannt, hat sich der Bonfelder hier hochgearbeitet: vom Entremetier, der für Gemüse, Beilagen und Teigwaren verantwortlich zeichnet bis zum Saucier. Dann das Angebot aus Australien: „Je mehr Erfahrung ich sammle, desto besser wirkt sich das auf mich aus.“ Was im Stuyvesant's House in europäischer Atmosphäre serviert wird, ist Maximilian Kuch freilich nichts völlig Neues: Da gibt es Schnitzel und Spätzle, aber auch feine Seefrüchte und exklusives Kobe-Rind und erlesene Weine aus aller Welt. Zurecht kommen wird Maximilian Kuch nicht nur, weil seine Chefs als gebürtige Leingartener natürlich Deutsch sprechen. Kuch hat sein Schulenglisch vor seiner großen Reise bei einem VHS-Kurs aufgefrischt.

Nun rüstet er sich erst einmal für Arbeitstage, an denen er zwischen 10 und 14.30 und von 18 bis 23 Uhr am Herd stehen muss. „Einen Stadtführer von Sydney habe ich mir gekauft, den pfeife ich mir auf dem Flug rein.“ Für Tourismus wird Maximilian Kuch aber wohl wenig Zeit bleiben. Nach einem halben Jahr im Stuyvesant's House will er sich noch nach einem Job in einer anderen australischen Küche umschauen. „Jetzt werde ich erst mal arbeiten, das ist mir wichtig.“ Sicher wird Kuch auch exotische Speisen kennenlernen. Känguru-Fleisch etwa. „Probiert wird's“, sagt der Jungkoch, nicht ohne spitzbübisch hinzuzufügen: „Probieren heißt nicht unbedingt essen.“